Leitfaden für Behandlerinnen

Tipps und Tricks  zu Unterspritzungen mit Botox und Hylauronsäure

Unterspritzungen mit Botox und Hyaluronsäure sind mit Abstand die beliebtesten Eingriffe[1] im Bereich der plastisch-ästhetischen Chirurgie. Insbesondere Patientinnen, die zum ersten Mal einen Eingriff vornehmen lassen, entscheiden sich oft für eine Unterspritzung. Umso wichtiger ist es für angehende Behandlerinnen, genau zu wissen, worauf es dabei ankommt und wie du den häufigsten Fragen der Patientinnen begegnest. Der folgende Crashkurs verschafft dir einen Überblick über das wichtigste Know-how. Der Leitfaden richtet sich in erster Linie an berechtigte Behandlerinnen wie Ärztinnen und Heilpraktikerinnen. Die Lektionen sind aber auch für Kosmetikerinnen sehr relevant, die regelmäßig professionell mit behandelter Haut zu tun haben. Das hier gesammelte Wissen beruht vor allem auf Erfahrungswerten, die in Kursen von Pharmaunternehmen nicht vermittelt werden.

Lektion 1: Wie entscheide ich, welche Falte weg muss?

Was alle Patientinnen wissen, die mit dem Wunsch nach einer Unterspritzung in deine Praxis kommen: dass sie jünger, frischer, wacher aussehen möchten.
Was kaum eine Patientin weiß: welche Falte sie denn nun eigentlich besonders stört und deshalb weg soll.

Deine Aufgabe ist es, deine Patientinnen dabei zu unterstützen, ihren Wunsch möglichst konkret zu formulieren. Gemeinsam erarbeitet ihr dann ein Behandlungskonzept.

Zur Vorbereitung auf eine Unterspritzung eignen sich kosmetische Behandlungen wie eine Mikrodermabrasion, insbesondere bei Lederhaut. Dabei werden Falten aufgeweicht, vor allem um den Mund herum, was den Hyaluronverbrauch bei der Unterspritzung reduziert.    

Unabhängig von individuellen Präferenzen gibt es Falten, die immer als störend empfunden werden: die Zornesfalte und die Marionettenfalte. Letztere ist auch als »Merkelfalte« bekannt.

Das Mittel der Wahl ist Hyaluronsäure Bei tiefen Zornesfalten verspricht eine Kombination aus Hyaluron und Botox jedoch schnellere Erfolge..

Tipp: Erkläre Patientinnen im Gespräch auch immer, wie Falten entstehen und was sie selbst dagegen tun können.

Lektion 2: Wie beginne ich die Unterspritzung richtig?

Den Beginn bildet ein ausführliches Gespräch. Gib Patientinnen anfangs immer einen Spiegel in die Hand und lass dir genau zeigen, was sie stört.

Dabei erkennst du, ob es eher um die Falten an sich oder den Ausdruck geht. So kann es zum Beispiel sein, dass Patientinnen ihren Gesichtsausdruck als müde, traurig oder böse empfinden, auch wenn sie neutral schauen.

Im nächsten Schritt arbeitet ihr gemeinsam heraus, woher die Probleme rühren. Handelt es sich um den normalen Alterungsprozess, ist eine ausgeprägte Mimik die Ursache oder leidet die Patientin vielleicht unter seelischen Belastungen?

Achte während des Gesprächs genau auf die Reaktionen deiner Patientinnen. Stirnrunzeln, ein Herunterziehen der Mundwinkel oder zusammengepresste Lippen solltest du ansprechen..  Solche Bewegungen finden meist unbewusst statt und sind in den meisten Fällen der Grund für unerwünschte Mimikfältchen.

Lektion 3: Wo fange ich mit dem Unterspritzen an?

Je dichter das Netz der sensorischen Nerven an einer Stelle ist, desto stärker wird dort Schmerz empfunden. Da Patientinnen stärkere Schmerzen zu Beginn der Behandlung besser aushalten können als gegen deren Ende, solltest du an den schmerzhaftesten Stellen beginnen.

Ich empfehle dabei diese Reihenfolge:
1. Oberlippe
2. Unterlippe
3. Kinn
4. Nasolabialfalte
5. Marionettenfalten
6. Zornesfalte

Das Schmerzempfinden ist sehr individuell und zudem von der Tagesform abhängig. Rate deinen Patientinnen, während der Behandlung auf ihre Atmung zu achten.

Wenn du Botox und Hyaluron zusammen verwendest, beginne immer mit Hyaluron.

Lektion 4: Wie erkläre ich Patientinnen Hyaluronsäure?

Es ist wichtig, dass du deine Patientinnen umfassend aufklärst. So wird die Behandlung für sie nachvollziehbar. Außerdem steigert eine gründliche Erklärung die spätere Zufriedenheit mit dem Ergebnis.

Hyaluronsäure kommt natürlicherweise im menschlichen Körper vor und wird durch den Stoffwechsel wieder abgebaut. Sie hat eine gelartige Konsistenz und ist in der ersten Zeit nach einer Injektion auch tastbar. In der Regel mischen Produzenten der Hyaluronsäure ein Lokalanästhetikum bei, sodass das behandelte Hautareal erst einmal taub ist.

Hyaluronsäure wird direkt in stehende Falten injiziert, um sie aufzufüllen, also von unten aufzupolstern.

Lektion 5: Wie erkläre ich Patientinnen Botox?

Botulinumtoxin A ist ein Gift. Es hemmt die Kontraktion der motorischen Muskulatur. So verhindert es, dass aufgrund einer ungünstigen Mimik Falten entstehen, etwa durch Stirnrunzeln oder Augenbrauenzusammenziehen sowie an den Augen beim Lachen. Je weniger das Gesicht bewegt wird, desto weniger Falten entstehen.

Lektion 6: Welche Stellen sind einfach mit Botox zu behandeln, welche schwieriger?

Unser Anspruch ist es, alle Patientinnen glücklich zu machen. Dabei müssen wir jedoch nach unseren eigenen Fähigkeiten entscheiden, was für sie am besten ist.

Einfach mit Botox zu behandeln sind Stirn- und Zornesfalten. Wenn du mehr Erfahrung hast und ein Grundverständnis für die Mimik hast, kannst du dich an Lachfalten und Rabbitlines wagen.

Botoxinjektionen rund um den Mund herum sind anspruchsvoller. Eine falsch platzierte Injektion und zu hohe Dosen können dazu führen, dass Patientinnen vorübergehend nicht mehr richtig sprechen oder lachen können. Das betrifft Lippen- und Kinnfältchen, heruntergezogene Mundwinkel und das sogenannte Gummy-Smile.

Folgende Grundregeln gelten bei Botoxbehandlungen:

  • kenne die Anatomie
  • beobachte die Mimik der Patientin
  • erkenne ihr Problem
  • lerne aus Missgeschicken
  • sag nein, wenn du dir nicht hundertprozentig sicher bist, dass dir etwas gelingt
  • sprich mit der Patientin darüber, was du wo warum injizierst
  • Übung macht die Meisterin!

Lektion 7: Wovon rate ich nach der Unterspritzung ab?

Für die Zeit nach einer Unterspritzung gibst du deiner Patientin einige Tipps mit auf den Weg. Falls sie diese nicht befolgt, drohen keine schwerwiegenden Konsequenzen. Die Regeln dienen jedoch dazu, ein optimales Ergebnis zu erzielen und möglichst lang zu erhalten.

  • direkte Sonneneinstrahlung vermeiden: Blutergüsse können sich sonst braun verfärben.
  • vier bis vierzehn Tage lang nicht schwitzen: Sport und Sauna meiden, da die Wirkung von Botox sich erst innerhalb der ersten Tage und zwei Wochen ausbildet und andernfalls gehemmt wird.
  • zwei Wochen lang kein Druck auf die behandelten Stellen: Vibrationsbehandlungen und Peelings können die Hyaluronsäure unter der Haut verschieben. Das gilt auch für Gesichtsmassagen, die daher nur nach Anweisung der Behandlerin erfolgen dürfen. Besuche bei der Kosmetikerin sind in dieser Zeit kontraproduktiv.

Lektion 8: Wieso hält die Wirkung von Hyaluronsäure und Botox manchmal nicht so lange?

Zu einer umfassenden Aufklärung der Patientin gehört es auch, ihr zu erklären, warum Hyaluronsäure und Botox ihre Wirkung manchmal schneller verlieren.

Gerade bei der ersten Botoxbehandlung testen Patientinnen die Lähmung aktiv aus, indem sie grimassieren. So erscheint ihnen die Wirkung kürzer. Werden Botoxbehandlungen zur Routine, verliert sich dieser Effekt.

Auch der individuelle Stoffwechsel, Hitze, Schwitzen, Stress und Müdigkeit beeinflussen den Wirkungszeitraum. Wer viel sportelt und dabei schwitzt, verkürzt dadurch beispielsweise die Wirkungszeit.

Eine Unterspritzung sollte nicht das gesamte Leben bestimmen. Ich rate Patientinnen immer dazu, in den ersten zwei Wochen vorsichtig zu sein, in der Zeit danach jedoch ihr ganz normales Leben zu leben. Schließlich wird die Wirkungsdauer nur um zwei bis drei Wochen verlängert oder verkürzt.

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Rauchen ist immer schlecht!

Lektion 9: Wozu rate ich nach der Behandlung?

Für alle Behandlungen gilt, dass die Patientinnen ein wenig Geduld brauchen. Die Wirkung zeigt sich mit zeitlicher Verzögerung. Bei Schwellungen, Rötungen und blauen Flecken hilft es, die Stellen zu kühlen. Eine beruhigende, regenerierende Hautpflege unterstützt die Wirkung der Behandlung.

Nach Hyaluronsäureinjektionen ist der Wasserbedarf erhöht. Patientinnen trinken idealerweise einen Liter pro Tag mehr als sonst. Massagen dürfen ausschließlich nach Anweisung der Behandlerin erfolgen.

Lektion 10: Warum raten wir zum After Treatment Care Gel?

Nach einer Injektionsbehandlung ist die Haut verletzt. In diesem Zustand verträgt sie nicht jedes beliebige Pflegeprodukt.

Die falsche Pflege kann Reizungen und schlimmstenfalls sogar Entzündungen hervorrufen. Es ist für uns als Behandlerinnen unmöglich, sämtliche Pflegeprodukte zu kennen, die Patientinnen zu Hause haben und verwenden könnten. Zudem ist die Reaktion der Haut auf Pflegeprodukte nach der Behandlung individuell verschieden. Deshalb empfehlen wir nur Produkte, deren Wirkmechanismen geprüft und erwiesenermaßen für die Hautpflege nach Unterspritzungen geeignet sind.

Das After Treatment Intensiv Care Gel wurde speziell zur Nachpflege im Anschluss an medizinische Unterspritzungen und kosmetische Behandlungen entwickelt und hat schon viele Kundinnen überzeugt.

Es hilft deinen Patientinnen dabei, unerwünschte Nebenwirkungen zu verhindern und das Behandlungsergebnis positiv zu beeinflussen. Zudem verleiht es ihnen ein gutes Gefühl, weil sie wissen, dass sie selbst etwas tun können, um den Behandlungserfolg sicherzustellen.

Lektion 11: Wie vermeide ich blaue Flecken bei den Patientinnen?

In der Regel ist es nicht nötig, dass die Patientin in den 7 Tagen vor der Behandlung auf bestimmte Medikamente verzichtet. Besonders empfindliche Kundinnen sollten jedoch vor der Behandlung folgende Präparate nicht einnehmen:

  • Blutverdünner (immer in Absprache mit der Hausärztin)
  • Acetylsalicylsäure (Aspirin)
  • Ginko
  • hochdosiertes Vitamin C als Nahrungsergänzung

Wenn du gute Anatomiekenntnisse hast, verringert dies das Risiko blauer Flecken, ebenso wie langsames Injizieren.

Wenn du ein Blutgefäß triffst, übe Druck auf die Einstichstelle auf. Achtung: nicht so fest drücken, dass du die Hyaluronsäure verschiebst. Wenn es blutet, wird die behandelte Stelle gekühlt.

Für ein gutes Verhältnis zu deiner Patientin ist ein ausführliches Vorabgespräch unerlässlich. Frage sie nach möglichen Risikofaktoren und kläre sie darüber auf, dass blaue Flecken entstehen können.

Übrigens: Rothaarige Menschen und Personen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, bluten in der Regel stärker als andere, weil ihr Blut dünner ist.

Lektion 12: Wie gehe ich mit senkrechten Lippenfältchen um?

Der erste Schritt ist, die Ursachen von senkrechten Lippenfältchen zu erkennen und zu eliminieren. Womöglich raucht deine Patientin oder sie spitzt häufig unbewusst die Lippen.

Bei der Vorbereitung zur Unterspritzung kann die Kosmetikerin unterstützen: Ist die Haut rigide, hilft eine Dermabrasion oder Massage, um die Falten weicher zu machen.

Ich wähle für die Unterspritzung immer Hyaluron. Dabei achte ich darauf, dass das Produkt im Nachhinein nicht viel Wasser zieht. Die senkrechten Falten unterspritze ich dann einzeln. Wegen des Tyndall-Effekts darf nicht zu oberflächlich unterspritzt werden. Durch den geringen Materialbedarf ist die Behandlung kostengünstig. Zudem hält das Ergebnis ein Jahr lang an. Ergänzend kann auch die Lippenkontur gespritzt werden.

Lektion 13: Wie kann ich Zornesfalten auch ohne Botox behandeln?

Manche Patientinnen möchten zwar die Zornesfalte loswerden, lehnen Botox aber ab. In diesem Fall empfehle ich eine Hyaluroninjektion direkt in die Falte. Dafür wähle ich ein Produkt, das im Nachhinein wenig Wasser zieht und nicht zu dünnflüssig ist. Das Ergebnis ist in der Regel sofort sichtbar.

Ist die Falte sehr tief und die Mimik der Patientin stark ausgeprägt, rate ich jedoch zu einer Kombination aus Hyaluronsäure und Botox. Das Wichtigste ist immer der Ausdruck: Keine Patientin möchte für dauerhaft müde, traurig oder böse gehalten werden.


[1] https://www.vdaepc.de/pressemitteilung-statistik-2019-trends-der-aesthetisch-plastischen-chirurgie/